Mindestanforderungen an eine Luftbildauswertung

Darauf sollten Sie bei der Luftbildauswertung achten

Luftbildauswertung Kampfmittel mit ArchivrechercheEine Luftbildauswertung ist ein bundesweit anerkanntes und hilfreiches Mittel, um die potentielle Kampfmittelbelastung einer Fläche zu untersuchen. Obwohl es um das sensible Thema "Kampfmittel" und der Einschätzung einer von blindgegangenen Bomben oder zurückgebliebener Munition ausgehenden Gefahr geht, gibt es noch keine verbindlichen Vorschriften. Dies hat zur Folge, dass es hohe Qualitätsunterschiede gibt, die zu falschen Rückschlüssen führen können. Umso wichtiger ist es, dass Sie wissen, welche Punkte eine gute Luftbildanalyse beinhalten sollte.

Die BfR KMR (2018) sind nicht verpflichtend. Sie sind jedoch derzeit das einzige Regelwerk, dass die Vorgehensweise einer Luftbildauswertung detailliert erläutert.

Die folgenden 4 Punkte erläutern, worauf Sie achten sollten.

1. Die Hinweise der Baufachlichen Richtlinien Kampfmittelräumung 2018 beachten

Die Baufachlichen Richtlinien Kampfmittelräumung 2018 des BMUB sind, außer für Bundesliegenschaften, nicht verbindlich, geben aber den Stand der Technik wieder und liefern eine fachliche Vorgehensweise sowie Hinweise und Details für die Planung und Ausführung der Kampfmittelräumung (mehr: Zusammenfassung BfR KMR 2018). In dieser werden die Arbeitsschritte detailliert erläutert. Im Zuge einer wie üblich angefragten Luftbildauswertung ist die komplette Abarbeitung der sog. "Phase A" häufig nicht im Budget des Auftraggebers, zumal die "Phase A" z.B. auch eine Zeitzeugenermittlung aufführt, die zunehmend ins Leere läuft. Jedoch sollte die Grundlagenermittlung einer guten Luftbildauswertung mindestens aus den folgenden zwei Bausteinen bestehen:

  1. Archivalienrecherche mit Sichtung relevanter Dokumente, Kriegstagebücher, Chroniken (der Alliierten) und anschließender Erstellung einer Angriffschronik
  2. Beschaffung möglichst vieler Luftbilder, die idealerweise zeitlich nah an den zuvor ermittelten Kampfhandlungen liegen und Luftbildauswertung

Der Grund ist einfach erklärt: Luftbilder zeigen die Auswirkungen von Luftangriffen. Bombentrichter, Schäden an Gebäuden, Verteidigungsstellungen und unter optimalen Bedingungen sogar die Einschlagsstellen von Blindgängern können identifiziert und entsprechend kartiert werden. In Gebieten, in denen solche Szenarien identifiziert werden, muss grundsätzlich auch mit dem Vorhandensein von Kampfmitteln gerechnet werden. Archivalien dokumentieren nicht nur oftmals jene Luftangriffe, sondern ggf. auch das Datum sowie die Uhrzeit, Art, Menge und die Anzahl der verwendeten Kampfmittel. Dies sind essentielle Informationen für eine belastbare Gefährdungsabschätzung. Ferner können sie Aufschluss über die Truppenbewegungen und über weitere Vorgänge am Boden liefern, die im Luftbild nicht erkennbar sind.

Fehlende Recherchen oder der Verzicht auf die Beschaffung möglichst vieler Luftbilder führen häufig zu pauschalen, nicht nachvollziehbaren Aussagen und zur großflächigen Ausweisung von Kampfmittelverdachtsflächen, was hohe Folgekosten nach sich ziehen kann, die anschließend der Erfahrung nach die Einsparung von wenigen hundert Euro bei der Luftbildauswertung um viele tausend Euro übertreffen können.

Wir orientieren uns an den Hinweisen der Baufachlichen Richtlinien Kampfmittelräumung 2018.

2. Angriffschronik - Allein die Auswertung von Luftbildern reicht nicht

Um eine möglichst vollständige Übersicht über die Kampfhandlungen aus der Luft und am Boden zu erhalten, ist es notwendig, diese zu recherchieren und in Form einer Angriffschronik darzustellen. Eine Angriffschronik ist eine tabellarische und zeitlich geordnete Übersicht aller dokumentierten Luftangriffe und Bodenkämpfe. Nur so lassen sich der Beginn und das Ende der Kampfhandlungen zuverlässig ermitteln. Anschließend werden Luftbilder beschafft, die möglichst zeitnah an den Ereignissen liegen. Ohne die Kenntnis der Kampfhandlungen ist es nicht möglich, Luftbilder zu beschaffen, die die Situation kurz nach den Angriffen und nach dem Ende aller Kampfhandlungen zeigen, was zu falschen Rückschlüssen führen kann. Daher kann eine Luftbildinterpretation nur belastbar sein, wenn man versucht, möglichst alle Kampfhandlungen zeitlich zu erfassen. Dabei sind jene, die auf einem Luftbild erkennbar sind, nur ein Teil des Puzzles. Der Rest ergibt sich aus einschlägiger Literatur und Archivalien. Sie gilt es, gezielt mit einzubeziehen.

Beispiel: Luftbilder vom März 1945 besitzen nur dann eine Aussagekraft, wenn im Zuge der Angriffschronik verlässlich ermittelt wurde, dass der letzte Luftangriff Ende Februar 1945 stattgefunden hat. Sie sind jedoch unzureichend, wenn bereits Ende 1943 / Anfang 1944 oder noch Anfang April 1945 Luftangriffe geflogen wurden, da die große Zeitspanne zwischen Ereignis und Luftbildaufnahme Spuren verwischen kann (Erkenntnislücke).

In einer Angriffschronik werden Informationen über Kampfhandlungen am Boden zusammengetragen, die im Luftbild nicht erkennbar sind, sowie der Beginn und das Ende der Kampfhandlungen ermittelt.

3. Transparenz - Die Ergebnisse müssen für Dritte nachvollziehbar sein

Das Zustandekommen der Auswerteergebnisse muss für Behörden, Kampfmittelsondierer und Bauunternehmer nachvollziehbar sein (BfR KMR, 2018: 221). Die Luftbildauswertung muss von den Originalquellen bis zur Bewertung transparent sein, so dass Dritte die Herleitung verstehen und auf das Bauvorhaben übertragen können. Fehlende Transparenz belastet die Aussagekraft des Gutachtens und sollte im Zweifel im Nachgang eingefordert werden. Daher:

4. Auflistung aller beschafften und ausgewerteten Luftbilder

Alle beschafften und ausgewerteten Luftbilder sollten im Gutachten aufgelistet und mindestens mit Datum, Flugnummer und Bildnummer klar benannt werden. Nur so ist es möglich, dass Außenstehende mit diesen Informationen bei Bedarf selbst auf die Originalluftbilder zurückgreifen können (Rekonstruierbarkeit der Aussage). Die Luftbilder sollten zeitlich nah an den ermittelten Kampfhandlungen der Angriffschronik liegen, sofern die Luftbildverfügbarkeit dies zulässt.

Zusammenfassung - Vollständigkeit einer Luftbildauswertung

Luftbildauswertungen stehen meist ganz am Anfang einer größeren Maßnahme und bilden wesentliche Grundlagen, die entscheidend zur Sicherheit, zum Baufortschritt, zur Wirtschaftlichkeit und insgesamt zum Erfolg eines Projektes beitragen. Umso wichtiger ist es, dass die oben genannten Qualitätskriterien eingehalten und umgesetzt werden sollten.

 

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