Inhalt und Aufbau unserer Luftbildauswertung

Von der Recherche bis zum Endergebnis

Inhalt Luftbildauswertung Kampfmittel DeckblattUnsere Luftbildauswertung folgt einem festen Prüfschema zur Ermittlung von Kampfmittelverdachtsflächen. Das Ziel ist die Kategorisierung, wie sie in den Baufachlichen Richtlinien Kampfmittelräumung (2018) aufgeführt wird. In diesem Artikel möchten wir Ihnen gern den Inhalt, Ablauf und den Aufbau einer Luftbildauswertung erläutern.

Anfrage, Angebot, Beauftragung

Wir benötigen von Ihnen zunächst Angaben zu Ihrem Standort, damit wir uns einen Überblick über die Lage und die Flächengröße machen können. In der Regel werden Lage- oder Katasterpläne zur Verfügung gestellt. Wir nehmen eine erste Einschätzung vor und beraten Sie ehrlich, d.h., wenn eine Luftbildauswertung nicht zielführend ist oder es kosten- oder zeitgünstigere Varianten gibt, raten wir auch mal ab und versuchen, alternative Wege aufzuzeigen.

Start der Recherchen

Nach der Beauftragung wird für den Standort eine Kriegsliteraturrecherche durchgeführt. Wir verfügen mittlerweile über einen großen eigenen Bestand an Chroniken, Kriegstagebüchern, Dokumentationen und teils vergriffenen Werken, die eine Rekonstruktion zunächst rein anhand der Aufzeichnungen ermöglichen. Die Bücher und Dokumente werden nach Informationen hinsichtlich möglicher Kampfhandlungen am Standort durchsucht. Die ermittelten Ereignisse fließen in die sog. "Angriffschronik" ein. Das ist eine Tabelle, in der die Kampfhandlungen chronologisch und mit der entsprechenden Quelle aufgelistet werden. Falls nötig, werden weitere Materialien nur für dieses Projekt beschafft.

Im Anschluss erfolgt die Recherche nach Luftbildern der Alliierten der Kriegsjahre in nationalen und internationalen Archiven. Falls die Luftbildverfügbarkeit es zulässt, werden aus der möglichen Auswahl Luftbilder beschafft, die eine gute Qualität erhoffen lassen. Genau weiß man das erst nach Erhalt und Sichtung der Bilder. In ländlichen Gegenden kann die Verfügbarkeit so eingeschränkt sein, dass möglichst alle auswertbaren Bilder beschafft werden.

Verarbeitung der Luftbilder

Die Luftbilder werden mittlerweile ausschließlich in digitaler Form bezogen - allerdings als reines Grafikformat mit einer Dateigröße von bis zu 500 MB. Abzüge im Papierformat sind nicht mehr üblich, zumal von den Papierabzügen ohnehin Scans angefertigt werden müssten, was immer ein Informationsverlust bedeutet.

Um die Bilder für die Luftbildauswertung vorzubereiten, werden diese georeferenziert ("eingenordet"). Dies geschieht in einem iterativen und arbeitsaufwendigen Prozess mit spezieller Software. Bei der Georeferenzierung müssen viele eindeutige Passpunkte gefunden werden, also Punkte, die sowohl in den Kriegsluftbildern als auch heute noch vorhanden sind und denen man Koordinaten zuweisen kann. Anschließend wird das Bild umgerechnet und so "entzerrt". Das Ergebnis passt selten nach dem ersten Versuch und so sind mehrere Umrechnungen und Passpunktkorrekturen notwendig, bis alle Luftbilder perfekt übereinander liegen und miteinander vergleichbar werden. Ein wirklich gut geübter Georeferenzierer benötigt eine halbe Stunde pro Bild - im Durchschnitt. Wir georeferenzieren grundsätzlich alle Bilder, die in ein Projekt einfließen. In einem georeferenzierten Bild können Strecken und Flächen ausgemessen und Koordinaten aller gängigen Koordinatensysteme ermittelt werden.

Auswertung und Kartierung der Ergebnisse

Anschließend erfolgt die Auswertung wieder mit speziellem Equipment und volldigital. Spezielle Monitore ermöglichen bei Bildpaaren das, was früher die klassischen Stereoskope geleistet haben und lassen die damalige Landschaft plastisch wirken. So können bei guter Luftbildqualität Geländestrukturen und Hohlformen erkannt werden. Die Luftbildauswertung folgt hier einem festen Prüfschema. Der Standort und die nähere Umgebung werden auf Kampfmitteleinwirkungen untersucht. Können diese identifiziert werden, fließen diese in die Kartierung der Kampfmittelverdachtsflächen ein. Wichtig ist, dass eine Luftbildauswertung immer rein deskriptiv erfolgt, d.h. man beschreibt das, was man in den Kriegsluftbildern sieht - Spekulationen sollten außen vor bleiben.

Ergebnis und Risikoabschätzung

Das Ziel ist, aus allen ermittelten Informationen der Angriffschronik und der Luftbilder das potentielle Kampfmittelrisiko abzuleiten. Ergeben sich konkrete Verdachtsmomente, erfolgt die Ausweisung als Kampfmittelverdachtsfläche (grundsätzlich nur in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen und Niedersachsen möglich). Nach Möglichkeit werden die Befunde in Art und Lage weiter eingegrenzt und benannt. Wir wissen, dass unsere Kunden entweder ein klares "Ja" oder "Nein" mögen, was in den meisten Fällen auch so ausgesprochen werden kann. In seltenen Fällen ist eine Abwägung der Szenarien und ein differenziertes "Vielleicht" jedoch unvermeidbar. Im Zweifel für die Sicherheit!

Im Befundfall werden weitere Maßnahmen zur Gefahrenerkundung vor Ort empfohlen. Da wir nicht über die entsprechende sprengstoffrechtliche Zulassung für Untersuchungen vor Ort verfügen, die man übrigens für eine Luftbildauswertung bzw. für eine historisch-genetische Rekonstruktion auch nicht benötigt, übernimmt an dieser Stelle eine Fachfirma für Kampfmittelsondierung Ihrer Wahl oder der Kampfmittelbeseitigungsdienst.

 

Anfrage für Luftbildauswertung

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