Ihr kompetenter
Partner!

Stichwort Selbstdetonation

Bomben im Schlummermodus

Es ist ein äußerst seltenes Ereignis, aber es passiert im Schnitt einmal im Jahr in Deutschland und den nah angrenzenden Nachbarregionen. Eine Bombe explodiert irgendwo - ohne jegliche Einwirkung von außen. Tragischerweies gingen nicht alle Selbstdetonationen und Entschärfungsversuche glimpflich aus und überall dort, wo während des Zweiten Weltkrieges bombardiert wurde, liegt eine potentielle und latente Gefahr im Boden. Doch was steckt dahinter?

Sprengbomben der Alliierten waren häufig neben Aufschlagszündern auch mit Zeitzündern versehen, das heißt, sie sollten verzögert detonieren. In der Regel sollte die Zeitverzögerung zwischen 6 Stunden und 6 Tagen betragen. Dies sollte den Kollateralschaden erhöhen und die Bevölkerung weiter demoralisieren: Aufräumarbeiten wurden dadurch nach einem Luftangriff erschwert, die Bergung und Entschärfung von vermeintlichen Blindgängern wurden zum russischen Roulette. Doch einige Bomben detonierten überhaupt nicht und verblieben unentdeckt.

Die fortschreitenden Jahre lösen das Problem nicht - im Gegenteil. Alterungsprozesse lassen den Zündmechanismus marode werden. Die Zelluloidplättchen, die den Schlagbolzen zurückhalten und eigentlich beim Aufschlag der Bombe durch freigesetztes Aceton aufgelöst werden sollten, können Jahrzehnte intakt sein, bis sie spröde werden und brechen. Dies kann durch physische Einwirkungen von außen geschehen, also durch Vibrationen, Rütteln, Schlagen oder Bewegen - oder eben von ganz allein. Es kommt zur Selbstzündung.

Selbstdetonationen der letzten Jahre

2013 - Deutschland, Hessen, Alten-Buseck
Am 21.07.2013 detonierte eine Bombe in einem Feld bei Alten-Buseck in Hessen und hinerließ einen 15 m tiefen Krater. Keine weiteren Schäden.

2012 - Österreich, Wien
Am 25.08.2012 um 15:00 Uhr nachmittags erschreckte eine heftige Explosion die Anwohner in Wien-Donaustadt. Die Selbstdetonation fand in der Donau statt. Schiffe waren glücklicherweise nicht in der Nähe. Verletzt wurde niemand.

2011 - Österreich, Theinstetten
Fernab von Wohnbebauung riss eine Bombe am 05.11.2011 um 16:00 Uhr einen Krater von 4 Metern Durchmesser und 1,50 Metern Tiefe in eine Wiese. Dieser wurde zunächst für einen Kometeneinscchlag gehalten. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich dann jedoch heraus, dass es sich um eine Selbstdetonation gehandelt hat.

2011 - Deutschland, Bayern, Unterföhrung
In den Isarauen explodierte am 15.06.2011 eine Fliegerbombe unbemerkt und ohne weitere Schäden. Der Krater wurde erst später entdeckt.

2010 - Deutschland, Niedersachsen, Göttingen
Tragischer Zwischenfall mit drei Toten: Bevor die Entschärfung beginnen konnte, kam es abermals am Schützenplatz zu einer Selbstdetonation. Die 500-Pfund-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg riss zwei Entschärfer und einen Munitionsmitarbeiter in den Tod und verletzte mehrere Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes.

2009 - Deutschland, Hessen, Nidda-Harb
Am frühen Nachmittag des 30.06.2009 explodierte eine amerikanische 1.000-Pfund-Bombe in einem Waldgebiet bei Nidda in Hessen und riss einen Krater von 6 Metern Tiefe und 15 Metern Durchmesser in den Boden. Verletzt wurde niemand. Bereits zehn Jahre zuvor explodierte eine Welkriegsbombe in Nidda-Harb.

2008 - Österreich, Wien
Eine amerikanische 500-Pfund-Bombe riss am 19.09.2008 einen 15 Meter breiten und ca. 6 Meter tiefen Krater in den Acker einer Gärtnerei. Verletzt wurde niemand.

2007 - Deutschland, Hessen, Kassel
Am 05.04.2007 detonierte in Kassel eine 1000-Pfund-Bombe. Diese Selbstzündung ging ohne Personen- oder größeren Sachschaden glimpflich aus.

2006 - Deutschland, Bayern, Aschaffenburg
Bei Bauarbeiten an der Autobahn A3 Würzburg Richtung Frankfurt kam es am 23.10.2006 vermutlich durch die Erschütterung der Fräsmaschine zur Selbstdetonation. Hierbei kam ein Arbeiter ums Leben, zwei weitere wurden verletzt.

2005 - Deutschland, Hessen, Offenbach
Die Selbstdetonation einer 500-Pfund-Bombe riss am 03.02.2005 in Offenbach einen 11 Meter breiten und 3 Meter tiefen Krater in den Boden.

2004 - Österreich, Linz
Die Explosion wurde am 07.10.2004 vermutlich durch Bauarbeiten oberhalb der Bombe ausgelöst.

2003 - Österreich, Salzburg
Die amerikanische 250-Kilo-Bombe detonierte am 17.07.2003 noch bevor die eigentlichen Entschärfungsarbeiten beginnen konnten. Dabei kamen zwei Entschärfer ums Leben, ein dritter wurde schwer verletzt. Es entstand Sachschaden. Die Bombe riss einen sechs Meter tiefen Krater in den Boden.

2002 - Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Stadtlohn
Selbstdetonation am 31.12.2002.

2001 - Deutschland, Baden-Württemberg, Bodman-Ludwigshafen
Selbstzündung einer 500-Pfund-Bombe am 10.05.2001. Hierbei wurden zwei Häuser zerstört.

2000 - Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Burbach
Eine 500-Pfund-Bombe reißt am 28.09.2000 einen Krater in die Startbahn des Siegerlandflughafens. Glücklicherweise blieb es hier bei Sachschaden.

1999 - Deutschland, Hessen, Nidda-Harb
Selbstdetonation am 26.06.1999.

1998 - Deutschland, Niedersachsen, Göttingen
Bei einer Selbstdetonation wird am 30.12.1998 ein Linienbus zerstört, zwei Menschen werden verletzt. Vermutlich wurde die Zündung durch Erschütterungen des Busses ausgelöst. Dieser Fall belegt die Gefährlichkeit maroder Langzeitzünder: Über 50 Jahre Erschütterungen lösten die Bombe nicht aus.

1996 - Österreich, Salzburg
Am 31.07.1996 detoniert eine Fliegerbombe im Baron-Schwarz-Park unter einem Kinderspielplatz in Salzburg-Schallmoos. Es wird niemand verletzt.

1992 - Deutschland, Niedersachsen, Göttingen
Schon wieder in Göttingen und schon wieder am Schützenplatz: Eine Fliegerbombe explodiert am 22.12.1992, richtet jedoch nur Sachschaden an.

1990 - Deutschland, Hessen, Wetzlar
Beim Versuch, eine 1000-Pfund-Bombe zu entschärfen, kommt es am 09.08.1990 zur Explsion. Zwei Entschärfer kommen dabei ums Leben.

1985 - Deutschland, Schleswig-Holstein, Büsum
Möglicherweise wurde der Zeitzünder durch Erschütterungen im Zuge von Baggerarbeiten aktiviert. Nach den Baggerarbeiten explodiert eine britische 1000-Pfund-Bombe am 22.05.1985. Verletzt wurde niemand, es blieb bei Sachschaden.

1968 - Deutschland, Niedersachsen, Göttingen
Ein Blindgänger explodiert in Göttingen in der Godehardstraße am 24.10.1968. Dabei wird die Straße beschädigt, verletzt wurde niemand.

1965 - Österreich, Salzburg
Am 15.08.1965 detoniert eine Bombe unterhalb einer Tankstelle gegenüber der Bahnhofsunterführung. Dabei kommt ein Mensch ums Leben.

1953 - Deutschland, Niedersachsen, Göttingen
Am 21.04.1953 reißt eine Fliegerbombe einen 4 Meter tiefen Krater in einen Garten.

1947 - Deutschland, Niedersachsen, Göttingen
Nur zwei Jahre nach Kriegsende die erste Selbstdetonation eines Blindgängers in Göttingen: Dieser explodiert am 12.08.1947 am Schützenplatz, ohne jedoch Schäden anzurichten.

 

Anfrage für Luftbildauswertung

Gern erstellen wir Ihnen ein unverbindliches Angebot. Bitte machen Sie im Nachrichtenfeld Angaben zur Lage Ihres Gebietes und dem gewünschten Bearbeitungszeitraum.

Pflichtfeld *

Die abgesendeten Daten werden nur zum Zweck der Bearbeitung Ihres Anliegens verarbeitet. Mit dem Absenden bestätigen Sie, dass Sie die Datenschutzerklärung gelesen haben und mit einer Kontaktaufnahme per Mail oder Telefon einverstanden sind.

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok